Beitrag veröffentlicht am 15.05.2025 | Dr. Ahlborn

Erbschein beantragen: 10 Gründe, warum es oft länger dauert – Notar Dr. Ahlborn erklärt

„Warum dauert das so lange?“ – kaum eine Frage hört der Notar nach einem Todesfall häufiger. Der Grund: Ein Erbschein ist kein „Formular“, sondern ein gerichtlicher Nachweis, der nur erteilt wird, wenn die Erbfolge sicher feststeht.

Kurz erklärt: Ein Erbschein weist nach, wer Erbe ist. Er kann nötig sein, wenn kein notarielles Testament/Erbvertrag vorliegt oder wenn eine Stelle diesen Nachweis verlangt.

  1. Mythos vs. Praxis
  2. Die 10 wichtigsten Punkte
  3. Praxisbeispiel
  4. Telefonfragen an den Notar
  5. Fazit

Mythos vs. Praxis

Mythos: „Erbschein beantragen – dann läuft alles.“

Praxis: Je vollständiger Unterlagen und Angaben sind, desto weniger Rückfragen entstehen – und desto schneller kann das Gericht entscheiden.

Die 10 wichtigsten Punkte

1. Unklar, ob der Erbschein überhaupt nötig ist – manchmal reicht ein notarielles Testament/Erbvertrag.

2. Fehlende Personenstandsurkunden – Geburts-, Heirats- oder Sterbeurkunden fehlen oder sind unvollständig.

3. Mehrere Testamente/Versionen – welches ist gültig?

4. Testament noch nicht eröffnet/auffindbar – ohne Grundlage keine Entscheidung.

5. Unklare Formulierungen – das Gericht muss auslegen.

6. Erbengemeinschaft mit vielen Beteiligten – Abstimmung und Nachweise kosten Zeit.

7. Auslandsbezug – Staatsangehörigkeit, letzter Wohnsitz, ggf. Europäisches Nachlasszeugnis.

8. Ausschlagungen/Fristen – erst klären, dann beantragen.

9. Nachlassangaben lückenhaft – Rückfragen kosten Zeit.

10. Unterlagenfluss stockt – ein fehlendes Dokument verzögert häufig alles.

Praxisbeispiel (anonymisiert)

Ein handschriftliches Testament taucht Wochen später auf. Vorher: falsche Annahmen, Bank blockiert, Streit in der Familie. Sobald die Grundlagen klar sind, wird der Antrag deutlich schneller.

Telefonfragen an den Notar

Oft bei notariellem Testament/Erbvertrag – je nach Stelle und Nachlasssituation.

Je nach Klarheit der Unterlagen; ein vollständiger Antrag reduziert Rückfragen.

Personenstandsurkunden, Angaben zur Erbfolge, ggf. Testamente/Erbverträge.

Die Erbengemeinschaft muss sauber dargestellt und abgestimmt werden.

Häufig ja – abhängig von der Bank und den Umständen.

Grundbuchberichtigung und weitere Schritte können folgen; der Ablauf sollte strukturiert geplant werden.

Unvollständige Unterlagen und unklare Angaben zur Erbfolge.

Fazit

Der Erbschein ist nicht „langsam“, sondern gründlich. Mit klarer Erbfolge und vollständigen Unterlagen lässt sich der Ablauf spürbar beschleunigen – und die Familie gewinnt schneller Handlungsfähigkeit.

Nächster Schritt: Wenn Sie klären möchten, ob ein Erbschein nötig ist und welche Unterlagen den Ablauf beschleunigen, erläutert Notar Dr. Ahlborn (Notar in Bielefeld) die nächsten Schritte strukturiert und verständlich.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine rechtliche Beratung im Einzelfall.


Autor dieses Beitrags: Dr. Ahlborn

Rechtsanwalt und Notar Dr. Ahlborn ist langjährig im Arbeitsrecht und Wirtschaftsrecht tätig.
Er ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht.

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